Josi-Plauen, der Kunstmaler der aus dem Osten kam

 

Veröffentlicht am 16. Mai 2013 im Südkurier und Alb Bote

 



Josi Plauen ist einer der bekanntesten Kunstmaler der Region. Eigentlich heißt er Jochen Singer und stammt aus Plauen im Vogtland. Mittlerweile ist Jestetten seine Heimat geworden, wo er seit 1997 eine eigene Malschule führt. Handwerkliche Können ist für ihn die Grundvoraussetzung für ein gutes Bild: „Wenn Malen das Fleisch ist, ist das Zeichnen das Skelett“. Laut Statistik sind beim Malen 30 Prozent Talent und 70 Prozent kann man lernen. „Ich hatte bisher nur einen Fall, wo ich mit meiner Kunst am Ende war“, erinnert sich der Mallehrer, der seit über zwölf Jahren unterrichtet. Ein Maler kann sich selbst durch seine Bilder verwirklichen. „Ich gebe nur das handwerkliche Können, das man nach einem halben Jahr in den Grundzügen beherrschen kann“, betont der Kunstmaler, der seine ersten malerischen Schritte bei Fredo Bley, einem bekannten vogtländer Landschaftsmaler machte. Ab 1970 arbeitet Singer mit dem politisch kritischen Kunstmaler Rolf Andiel zusammen, der 1987 in der damaligen DDR Berufsverbot erhielt. Auch Singer malte kritische Bilder, beispielsweise ein Seiltänzer oder ein Gesicht mit einer Maske, die er wegen „ungenügender Bewältigung politischer Problematik“ nicht ausstellen durfte. Nach der Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann im Jahr 1976 kam in ihm immer mehr eine kritische Haltung gegenüber dem Staat auf. Nachdem er 1987 einen Ausreiseantrag gestellt hatte, durfte er im September 1989, zwei Monate vor dem Mauerfall, mit seiner Frau Elke und den Kindern Daniela und Pascal in den Westen ausreisen. In Jestetten, wo bereits einige Verwandte wohnten, hat die Familie schnell Fuß gefasst. Jochen Singer nahm in einem Betonwerk in Lottstetten Arbeit an und widmete sich bald wieder der bildenden Kunst. Mit der Eröffnung seiner Malschule erfüllte sich Josi Plauen einen Lebenstraum und mittlerweile hat er sein Hobby zum Beruf gemacht. Er gibt Grundkurse im Zeichen, vermittelt die richtige Perspektiven und Farbenlehren und erklärt den Bildaufbau. Seit elf Jahren gibt Singer auch Unterricht in der Aktmalerei. Sein Malstil hat sich im Westen grundlegend verändert. Während
seine Bilder im Osten eher dunkel gehalten waren, vermittelt er heute vorzüglich die Schönheiten der Natur im Wechselspiel der Farben des Lichts. „Man sollte weniger mit den Augen, und mehr mit dem Herzen malen“, betont Josi Plauen, für den malen eine ganz spezielle Art ist, Gefühle auszudrücken und Stress abzubauen. „Ein Maler sucht immer wieder nach neuen Motiven, wodurch er das Umfeld bewusster wahrnimmt und viel intensiver lebt“, ist sich Singer sicher. Deshalb macht er auch immer wieder seine Überlebenstrainingstage, an denen er sich irgendwo aussetzen lässt und zu Fuß nach Hause läuft, wobei er drei bis vier Nächte im Wald übernachtet und von dem lebt, was die wundervolle Natur hergibt.

Der Jestetter Kunstmaler Josi Plauen hat sich ein Lebenstraum erfüllt. Einst als Disponenten im Baugewerbetätig, führt er seit Jahren in Jestetten als Mallehrer die eigener Malschule

Freddy wird zum Mythos

veröffentlicht am 19. Mai 2012 im "Südkurier" und "Alb Bote"

 

Die guten alten „Freddy -Zeiten“ wollen ehemalige Gäste vom Lottstetter Tanzcafé „Rheinblick“, wie es offiziell hieß, zurückholen. Die Goldenen Zeiten hatte der „Freddy“, wie die Disco im Ortsteil Balm genannt wurde, in den achtziger Jahren. Es war Wochenende, das Lokal war brechend voll - DJ Rene legte "Mendocino" auf - "Freddy- Time" war angesagt und die Welt war in Ordnung. Dieses Hoch reichte bis in die neunziger Jahre. Danach wurde es ruhiger. Eine andere Zeit, andere Interessen. Heike Kehl-Schiffler aus Griessen schwelgte wieder einmal in dieser alten Zeit, als sie am 21. April die Facebook-Gruppe „Die guten alten Freddy Zeiten“ gründete, die mittlerweile etwa 500 Mitglieder hat. Man erinnert sich gerne an die Zeiten beim „Freddy“. An die Wochenend-Disco, die erste Liebe und an ewige lange
Tanzabende. Das macht Lust auf mehr. Nun hat sich mit Heike Kehl-Schiffler,
Astrid Metzger-Heber, Thorsten Brückel, Sandy Davies, Irmgard Kromer und Armin
Krämer ein Organisationsteam gegründet. Armin Krämer ist der ehemalige Wirt vom
Lottstetter Café Engelscheune, das es zu jener Zeit gab. Er kam extra aus
Kappel-Grafenhausen bei Rust zur OK-Sitzung angereist. Freddies Kinder Marion
und Markus sind offizielle Ehrenmitglieder der Gruppe. Alfred „Freddy“ Knöpfle ist im Jahr 2002 im Alter von 54 Jahren verstorben. Sein Tod löste ein großes Medieninteresse aus, da er als Notfall von verschiedenen Krankenhäusern nicht angenommen wurde. Seine Ehefrau Gordana verstarb 2008. Die Betreiber vom „Rheinblick“ wechselten dann mehrmals. Nach einem Brandschaden wurde die Immobilie umgenutzt, seither ist dort ein Gastronomiebetrieb nicht mehr möglich.
Die Gruppe sucht nun nach Sponsoren und einer Halle, wo im Herbst eine Freddy
Party stattfinden kann. Abtanzen zu der Musik der 80- er Jahre, alte Freunde
treffen und Erinnerungen austauschen. Sandy Davis erinnert sich an die kleine Mauer beim Eingang: „Dort wurde diskutiert, lamentiert, gestritten, geraucht und geknutscht“. Thorsten Brückel, der eine Freddy-Homepage erstellt, ist stolzer Besitzer einer speziellen Single, die er von Fredddy bekam: „Gute Nacht Freunde“, von Reinhard Mey. „Dieser Song lief immer ganz am Schluss des Abends“, erinnert sich Brückel wehmütig. „Freddy war immer eine ehrliche Haut und hätte einem sein letztes Hemd gegeben“, erinnert sich Armin Krämer. Für Heike Kehl war er oft wie ein Vater. Dass er eine große Persönlichkeit war, sind sich alle einig.

Sie wollen die guten alten Freddy-Zeiten in Lottstetten neu aufleben lassen: (von links): Heike Kehl-Schiffler, Sandy Davies, Armin Krämer, Astrid Metzger-Heber und Thorsten Brückel.

Alfred "Freddy" Knöpfle betrieb das Tanzcafe "Rheinblick" im Lottstetter Ortsteil Balm und starb 2002.

Alles nur kein Klöpfmoscht

Hochrhein Anzeiger, 31. August 2011

 

Kommt der Elbling zurück an den Hochrhein? Das wünschen sich einige
Freunde des Elblingweins aus Lottstetten. Heinz Peter Welter, Ökowinzer und Weinerlebnisführer aus Wincheringen an der Obermosel pflegt seit 24 Jahren eine intensive Freundschaft zu  Lottstetten. Den letzten Besuch nahm er zum Anlass, die mittlerweile angewachsene Zahl der Elblingfreunde über die älteste Edelrebe, die in Deutschland angebaut wird, zu  informieren. Schon die Römer fanden diese
Weißweinrebsorte an der Mosel vor, als sie 49 vor Chisti das Gebiet der
Treverer - die heutige Landschaft an  Mosel, Saar und Ruwer - eroberten. Im
Mittelalter wurde die Elblingrebe im gesamten deutschsprachigen Raum in größter
Ausbreitung angebaut.  So auch im  Klettgau. Während früher in Erzingen drei
Viertel der Rebfläche Elbling und der Rest Spätburgunder waren, sind es
heute  größtenteils Spätburgunder und Müller Thurgau, sowie neue Züchtungen und Burgundersorten. Nur in einigen Gebieten hat sich die Rebe erhalten. Heute ist der Anbau im Wesentlichen auf die Obermosel begrenzt, wo man sich wieder auf den traditionellen Anbau besonnen hat. In den kleinen Anbaugebieten von etwa 150 Hektar auf luxemburgischem Gebiet und 700 Hektar auf deutscher Seite wurde der Elbling zur Rarität. Der an der Obermosel vorherrschende Muschel-Kalkboden ist ähnlich dem der französischen Champagne. Die Frische, Fruchtigkeit und besondere
Herzhaftigkeit lässt immer mehr Weinfreunde zu Elblingfreunden werden. Der
Elbling wird trocken und halbtrocken ausgebaut und ist prädestiniert als
Grundwein für die hochwertige Sektherstellung. Dazu kommt das Flaschengärverfahren des Champagners.  So haben sich die
Elbling- Cremants  in vielen Verkostungen mit Champagnern als ebenbürtig erwiesen. „Sogar bei offiziellen Anlässen wird  spanischer „Klöpfmoscht“ ausgeschenkt, der allenfalls durch seine milchige Flasche auffällt, obwohl wir in Deutschland hervorragende Winzersekte haben “, ärgert sich einer aus den Reihen der Elblingfreunde. Mit wenig Bukett und kompakte Säure ist der Elbling auch der perfekte Essensbegleiter zu Spargel oder Fisch. „Zu einer Forelle ist er unschlagbar“, weiß eine Teilnehmerin der Elblingweinprobe. Durch  traurige Umstände setzte der  Weinbaubetrieb Welter  auf Ökologie.  In den Jahren um 1987, als Manfred Welter von seinem Vater Peter den Betrieb übernahm, starben an der Obermosel ungewöhnlich viele junge Winzer. „Wir wollten mit der vielen Chemie nichts mehr zu tun haben“, so  Manfred Welter, der den Öko-Weinbaubetrieb
auf vier Hektar Rebfläche  ausbaute. Doch er sieht auch keine Vorteile durch die Bezeichnung  Ökowein. „Ein Wein muss schmecken, sonst holt ihn keiner“. Durch geringere Erträge werden aber gehaltvollere Weine  erzeugt. Das junge Weingut „LCK“ (Lorenz & Corina Keller) aus Erzingen will den Elbling künftig wieder heimisch machen. „Ich möchte sehr gerne Elbling anbauen“, so Corina Keller. Andreas Henes,
der in Lottstetten einen Obstbaubetrieb mit Verkaufsladen führt,  plant künftig eine Nutzungsänderung zur Gastronomie auf seinem Hof. Auch er will auf die Karte Elbling setzten und diese Rarität in der Region wieder anbieten. Für Otto Heckel ist der Elbling seit fast einem Vierteljahrhundert die passende Alternative zu den
einheimischen Weinen. „Der Elbling ist mit 11 Prozent Alkoholvolumen der ideale
Sommerwein“. Der „Verein der Elblingfreunde“ von der Obermosel kreierte den
eigenen Elblingbecher aus sehr dünnem Glas. Der Elbling sollte daraus innerhalb
zwei bis drei Jahren getrunken werden, wenn er am besten ist.“ Denn es wächst
jedes Jahr neuer guter Wein nach“, so Heinz-Peter Welter. „Zurück zu den
Wurzeln“ - Die Lottstetter Elblingfreunde planen für 2012 eine Weinerlebnisreise an die Obermosel mit Besichtigungen von deutschen und Luxemburger Wein- und Sektkellereien. Gäste sind willkommen. Mehr Infos gibt es bei den Lottstetter Elblingfreunden, Telefon 07745/7058, Mail: elblingfreunde-lottstetten@gmx.de.

Heinz Peter Welter kam vor fast 25 Jahren durch den Radsport das erste Mal von der Obermosel nach Lottstetten. Und die Lottstetter mögen ihn – und seinen Elbling. Das Bild zeigt den Weinbauern auf seiner Rebterrasse zwischen Wincheringen und Nittel.